Review: Resident Evil 7

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Review: Resident Evil 7

Beitrag von SanderCohen am Mo Feb 27, 2017 10:22 pm

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Manchmal frage ich mich ja, warum in Horrorspielen die Hauptcharaktere immer so dumm sind. Da läuft man friedlich auf einem Weg entlang und stolpert mal eben direkt vor ein Gebilde aus Tierteilen, die schon bedrohlich aufgebaut sind und jeden normalen Menschen zum nachdenken bringen würden. Normale Menschen würden sofort kehrt machen, aber normale Menschen gibt es in Resident Evil 7 nicht so wirklich.

Selbst die "Guten" haben standardmäßig einen an der Waffel. Beginnen wir aber von vorne. In Resident Evil 7 wird man nicht in die Rolle des Muskelberges Chris Redfield schlüpfen, man wird nicht in Spanien mit einem roten Kleid irgendwelche bekloppten Bauern bekämpfen und man wird erst recht nicht mit Leon gegen einen Dinosaurier kämpfen, der später zu einer Fliege mutiert, welche wiederrum so bescheuert ist und sich einen Blitzableiter freiwillig in den Kopf steckt! Nein, das wird man bei Resident Evil 7 alles vergeblich suchen, wobei das gerade beim letzten Beispiel auch nicht weiter tragisch ist.

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Seien wir mal ehrlich: Resident Evil 6 war vielleicht ein solides Actionspiel, aber es war einfach zu viel von allem. Wenn man dann Resident Evil 7 im direkten Vergleich gegenüber stellt, erlebt man das komplette Gegenteil. Alles ist durchdachter, reduzierter und vor allem mit mehr Enthusiasmus entwickelt worden. Zum ersten Mal seit langer Zeit spürt man bei Resident Evil wieder ein gewisses Maß an Begeisterung, welche nicht nur durch das Spiel zustande kommt, sondern vor allem auch durch den Hype im Vorfeld. Kaum wurde Resident Evil 7 angekündigt und schon ist es in aller Munde.

Dieses "Anders-sein" war nach der Lethargie der vergangenen Teile der Serie sehr erfrischend. Natürlich gab es Skepsis bezüglich der Egoperspektive und vielen anderen Punkten. Skepsis, die berechtigt ist, bedenkt man viele leere Versprechungen von Capcom bei den letzten Spielen der Reihe und ja, auch die Versprechungen in Bezug auf Resident Evil 7 wurden nicht ganz erfüllt. Aber dazu später mehr.

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Resident Evil 7 ist anders, eine dritte Ära sozusagen. Resident Evil 4 begründete damals die zweite Ära der Reihe und war bei Kritikern und Fans sehr beliebt, hat aber einen anderen Teil der Fans quasi abgesprengt und zwei Fraktionen erschaffen. Die eine Fraktion der ersten Ära, welche die Klassiker der Reihe mögen und die Fraktion der zweiten Ära, welche der Action den Vorzug geben. Persönlich mag ich beide Richtungen, muss aber auch sagen, dass ich guten Horror immer der Action vorziehen würde. Resident Evil 7 ist ebenfalls "anders" und es wird sich zeigen, ob zusammen mit der dritten Ära auch eine dritte Fraktion von Fans entstehen wird, wobei man Teil 7 nicht als Beispiel dafür nehmen kann. Vielmehr wird Resident Evil 8 und Resident Evil 9 zeigen, ob das Modell von Resident Evil 7 in Zukunft weiter genutzt wird, wie man es bei Teil 5 und 6 gemacht hat oder ob zukünftige Resident Evil-Spiele sich noch weiter entwickeln und jedes Mal andere Konzepte benutzen werden. Wir werden also sehen, ob Resident Evil 7 als Vorlage für weitere "Klone" dienen wird.

Bevor das ganze aber zu weit abdriftet, möchte ich nun auf Resident Evil 7 eingehen. An dieser Stelle möchte ich nicht auf die Story eingehen, sondern möchte erwähnen, dass man die Story einfach selbst herausfinden sollte. Es sei nur soviel verraten, das wir in der Rolle von Ethan Winters nach Dulvey, Louisiana reisen um unsere Frau Mia zu finden, welche seit drei Jahren vermisst wird. Das ganze entpuppt sich nicht als Ente, da wir Mia schon kurze Zeit nach unserer Ankunft in Dulvey finden. Zwar ist sie eingesperrt, aber sie lebt zumindest.

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Viel schlimmer jedoch ist alles, was in der ersten Spielstunde passiert. Natürlich ist die Plantage der Familie Baker alles andere als ein Urlaubsort. Die erste Stunde von Resident Evil 7 erinnert stark an den Anfang von Resident Evil 4. Man spaziert kurz in einem Außenareal herum und sieht sich dann kurze Zeit später mit dem ersten Kettensägenkampf konfrontiert. Bei Resident Evil 4 wurde die erste Konfrontation mit dem Kettensägenmann mit anderen Gegnern gespickt, was Spannung und Panik aufbaute. Resident Evil 7 hingegen benötigt "nur" den "Kettensägenmann" und hetzt euch keine weiteren Gegner auf dem Hals.

Das wird Resident Evil 7 bei den Bosskämpfen immer machen. Die wenigen Bosskämpfe, es sind fünf Stück plus Endkampf, sind dem Prinzip des ersten God of War-Spiels gefolgt: Lieber wenige Bosskämpfe, dafür aber gut gemachte Bosskämpfe. Ob ihr nun in der Garage mit Hilfe eines Autos gegen Familienvater Jack kämpft oder euch später mit Maguerite Baker samt ihren Insekten herumschlagen müsst - die Bosskämpfe sind eines der Highlights im Spiel.

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Abseits dessen werdet ihr im Spiel nur auf die mutierten Molded und auf diverse Insekten treffen. Das Spiel wird euch nur selten ganzen Gegnermassen auf dem Hals hetzen und setzt stattdessen auf gut platzierte Gegner, anstatt auf unüberschaubare Massenware. Abseits der normalen Gegner gibt es natürlich noch die Familie Baker. Allen voran Jack Baker wird euch mehrmals durch das Haupthaus jagen und wird immer wieder an unmöglichen Orten auftauchen. Maguerite Baker wird euch später nicht direkt jagen, aber eine bestimmte Passage mit ihren Insekten bewachen. Am Ende bleibt noch der Sohn Lucas, der euch mit Psycho-Spielchen konfrontiert, die stark an die "Saw"-Filmreihe erinnern.

Logischerweise werdet ihr euch den Gegnern und Bossgegnern nicht wehrlos entgegenstellen. Wie immer wird es Waffen geben, auch wenn diese von der Anzahl her überschaubar sind. Wer gut aufpasst, kann zusätzliche Waffen finden und diese nutzen. Ob ihr nun auf Pistolen, Schrotflinten oder Flammenwerfer steht - für jeden ist etwas dabei und alle Waffen haben ein bestimmtes Einsatzgebiet. Während der Flammenwerfer euch gegen die Insekten von Maguerite hilft, ist er gegen die mutierten Molded nahezu nutzlos.

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Munition findet ihr ausreichend, um in den entsprechenden Situationen klarzukommen. Wer trotzdem an Munitionsarmut leidet, der kann sich Munition selbst herstellen. Zwar nur für die Pistole, aber mehr braucht man eigentlich auch nicht. Selbst die mutierten Molded bekommt man mit der normalen Pistole klein.
Neben der Munition gibt es noch grüne Kräuter, welche nun mit Hilfe von Chemikalien in Erste Hilfe-Arznei umgewandelt werden können. Altbekannt, aber im siebten Teil auch etwas lächerlich. Wer die grünen Kräuter schon in anderen Teilen als lächerlich empfand, wird bei Resident Evil 7 nur noch mit dem Kopf schütteln, wenn Ethan sich ein ganzes abgetrenntes Bein magisch mit Hilfe der Arznei wieder "ran baut". Insgesamt ist die ganze Heilanimation sehr lächerlich und wirkt fehl am Platze.

Neben Munition und Heilmitteln findet man auch Münzen, die man bei Vogelkäfigen gegen Verbesserungen eintauschen kann. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad gibt es 18 dieser antiken Münzen und auf dem Schwierigkeitsgrad "Irrenhaus" sind es sogar 33 antike Münzen. Allerdings sollte jetzt schon erwähnt werden, dass man mit den Münzen keine Waffenverbesserungen kaufen kann, sondern nur passive Boni bekommt, wie zum Beispiel mehr Gesundheit. Am Ende bleiben dann noch Gegenstände für diverse Rätsel, die ihr finden könnt.

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Die Rätsel in Teil 7 sind einfach gestrickt, aber ihre blosse Existenz ist schon ein Schritt in die richtige Richtung. Bei den Rätseln weiß man immer, wie man sie lösen muss, da die Antwort immer irgendwo versteckt ist. Selbst die Türen mit ihren speziellen Markierungen kann man nicht übersehen. In älteren Spielen der Serie würde man vermutlich verrückt werden, weil man vielleicht vergessen hat, wo welche Rätseltüren etc. sind. Resident Evil 7 ist da etwas linearer. Man findet sich also schnell zurecht und weiß ungefähr, wo es weiter geht und wo welche Rätsel sind.

Wie schon erwähnt, sind Rätselgegenstände keine Ausnahme im Inventar. Sie nehmen genau so Platz weg, wie Waffen, Munition und Heilgegenstände. Das Inventar ist zwar begrenzt, kann aber durch gefundene Rucksäcke erweitert werden. Ebenso können Waffen und andere Objekte auf das Steuerkreuz abgelegt werden, um dadurch einen Schnellzugriff zu gewähren.

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Gespeichert wird auf den Schwierigkeitsgraden "Leicht" und "Normal" an Diktiergeräten. Das Spiel speichert allerdings auch automatisch. Auf "Irrenanstalt" speichert das Spiel nur noch sehr selten. Außerdem benötigt man für das manuelle speichern an den Diktiergeräten nun Audiokassetten, die man finden muss und die logischerweise auch einen Platz im Inventar verbrauchen. Wer dennoch mal Platznot hat, kann seine Sachen in den berühmten Kisten verstauen, die auf magische Art und Weise über das ganze Spiel hinweg verstreut und miteinander verbunden sind.

Wenn man Resident Evil 7 vom Gameplay her betrachtet, so ist alles beim alten geblieben. Allerdings mit einem modernen Touch. Zwar muss man immer noch Rätsel lösen, Gegner besiegen und vieles mehr, aber alles wirkt ausgereifter und an die heutige Zeit angepasst. Quick Time-Events sind daher ebenso Geschichte, wie diverse Actioneinlagen aus den vorherigen Teilen. Es wird erkundet und gekämpft. Letzteres in überschaubarem Maße. Natürlich hetzt euch Capcom am Ende auch Gegnermassen auf dem Hals, aber alles ist in einem guten Rahmen und artet nicht aus.

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Ein großer Pluspunkt sind die VHS-Kassetten, die ihr finden könnt. Wenn ihr sie abspielt, erlebt ihr vergangene Storyinhalte. Dadurch schlüpft ihr nicht nur in die Rollen von anderen Charakteren, sondern könnt Objekte in der Gegenwart freischalten oder bekommt für ein späteres Rätsel schon mal Hilfe. Eine sehr gute Idee also, um die Story des Spiels voranzubringen.

Erwähnenswert sei an dieser Stelle auch der Schwierigkeitsgrad "Irrenhaus". Resident Evil 7 ist auf "Normal" stellenweise schon etwas härter als die Vorgänger, bleibt aber immer fair. Wer eine Herausforderung sucht, der ist bei "Irrenhaus" genau richtig. Der Modus wird nach einmaligem spielen freigeschaltet und platziert Gegner, Objekte und Rätselgegenstände komplett neu. Außerdem wird euch Jack Baker hier quasi nicht mehr von der Seite weichen.

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Abgesehen von "Irrenhaus" und ein paar Belohnungen, bietet euch Resident Evil 7 keine weiteren Boni oder Extras. Wer also Minispiele sucht, bekommt diese nur durch die kommenden DLCs, welche zusätzliches Geld kosten. Hier muss man Capcom einfach mal den Mittelfinger zeigen, zumal man das Gefühl hat, dass die DLCs aus dem Spiel herausgenommen wurden.

Aus technischer Sicht kann man sagen, dass Resident Evil 7 einen Soundtrack hat, der viel zu sehr im Hintergrund ist. Man bekommt also allein vom Soundtrack her keine Panik oder Gänsehaut. Grafisch weiß das Spiel mit seinen vielen Schauplätzen zu überzeugen, obwohl es viele matschige Texturen gibt. Man muss allerdings bedenken, dass Resident Evil 7 für VR konzipiert wurde.

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FAZIT

Nun, ich habe bestimmt irgendetwas übersehen, was ich erwähnen sollte, aber jetzt am Ende bleiben drei Kritikpunkte übrig, die aus einem herausragenden Spiel "nur" ein sehr gutes Spiel machen.

Größter Kritikpunkt ist der stumme Hauptcharakter Ethan Winters, der durch die Egoperspektive keinerlei Mimik oder Gestik besitzt. Gerade deswegen sollte dieser Charakter viel mehr kommunizieren. Es gibt so viele Stellen im Spiel, wo jeder normale Mensch etwas gesagt hätte oder geschrieen hätte, aber nein, der Ethan bleibt einfach stumm. Abgesehen davon ist die deutsche Synchronisation nicht besonders gut gelungen.

Dass die klassischen Resident Evil-Extras fehlen ist mehr Frechheit als Kritikpunkt, sollte aber dennoch als Kritikpunkt gelten, da man immerhin 60 bis 70 Euro bezahlt und dann mehr erwarten darf als nur ein achtstündiges Hauptspiel.

Zu guter Letzt gibt es auch in Resident Evil 7 diverse Bugs und leider auch K.I.-Aussetzer, die mal lustig und mal gravierend sein können. Gerade bei Bosskämpfen sollten keine Bugs und Aussetzer auftreten.

Schlussendlich mit all den Kritikpunkten bildet Resident Evil 7, zusammen mit Outlast und Alien: Isolation, das beste Horrorspielerlebnis der letzten Jahre, welches durch die Unterstützung von VR sogar noch intensiver wird. Es ist der richtige Schritt, damit die Resident Evil-Marke nicht in Vergessenheit gerät. Ob man am Ende Zombies und andere Gegner braucht, muss man selbst entscheiden, daher ist die geringe Gegnervielfalt für mich persönlich auch eher ein neutraler Punkt, den man kritisieren kann, aber nicht muss.

Am Ende sei nur gesagt, dass Resident Evil 7 ein sehr gutes Spiel geworden ist. Es hat noch diverse Ecken die stören, aber die kann man locker bei einem Nachfolger beseitigen.
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